Neuzugänge im Hühnerstall – Zwei Hochleistungshennen gehen in Rente

„Rettest Du ein Tier, änderst Du nicht die Welt.
Aber Du änderst die Welt für dieses Tier.“ 

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Frau Hoppe (vorn) und Henriette (hinten)

Seit knapp zwei Wochen haben wir zwei Neue im Stall: braune Hochleistungshennen aus einer Freilandhaltung mit 800 Hühnern. Die Legeleistung der Hennen war durch die einsetzende Mauser so schlecht geworden, dass die 800 Vögel, wie in solchen Fällen üblich, entsorgt werden sollten. Dank der Initiative „Rettet das Huhn“, die „ausgediente“ Legehennen an private Halter vermittelt, ging die letzte Reise für die meisten dieser Hühner aber nicht in den Tod sondern in ein neues Leben.

Bei den braunen Hochleistungshennen (Legeleistung: ca 300 Eier im Jahr) handelt es sich übrigens um die Hühner, die auf den Packungen „Eier aus Freilandhaltung“ immer so glücklich aussehen. Mit den Modelhühnern auf den Verpackungen hatten unsere beiden, Henriette und Heike, allerdings wenig gemeinsam. Man sah ihnen die Strapazen der Haltung, der Mauser und des Transportes deutlich an. Die Hühner waren sehr abgemagert und hatten weniger Federn als es auf den ersten Blick schien. Vor allem im Vergleich zu unseren wohlgenährten Bielefelder Kennhuhn-Hennen machten die Neuen einen geradezu erschreckenden Eindruck. Die Bäuche waren fast kahl und auch am Hals und am Kopf fehlten Federn. Bei Henriette war der Schnabel verstümmelt. Und beide Hühner waren sehr schwach. Heikes Zustande verschlechterte sich über Nacht so dramatisch, dass wir ihr nicht mehr helfen konnten. Sie starb vermutlich an den Folgen einer Legedarminfektion. Keine Seltenheit bei Hühnern, die genetisch bedingt so viele Eier legen müssen, weil der Körper hat kaum eine Chance hat, sich mal zu erholen.

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Heike mit kahlem Hals (links) und Henriette (rechts) am ersten Tag

Wir konnten die überlebende Henne Henriette aber nicht allein zu unseren alten Hühnern stecken. Den großen und gut genährten Bieles hätte sie allein nichts entgegensetzen können. Von Hühnerhaltern, die ebenfalls ein paar der 800 ausgestallten Hochleistungshennen einquartiert hatten, bekamen wir deshalb ein neues Huhn, Frau Hoppe. Zusammen haben sich Henriette und Frau Hoppe gut an ihr neues Zuhause gewöhnt. Wir päppeln die beiden mit vielen Vitaminen und Kalzium auf. Sie schlafen bereits mit den „alten“ Hühnern im Haus auf der Stange und können sich gut gegen die fast doppelt so großen Bielefelder Kennhühner behaupten. Natürlich gibt es auch mal Auseinandersetzungen, dann wird es laut im Hühnergehege und die Federn fliegen. Aber solche Auseinandersetzungen zwischen Hennen sind nichts Ungewöhnliches und Bestandteil ihres Soziallebens. Die Hennen streiten so ihre Hackordnung aus, die ihnen dann wiederum Sicherheit gibt. Das Problem: Hühner können sich nur etwa 30 andere Tiere in ihrer Herde merken, zu Ihnen soziale Verhältnisse aufbauen und sich in eine Hierarchie einordnen. In der Massentierhaltung mit mehreren hundert Tieren ist das nicht möglich. Die Tiere müssen jeden Tag auf´s Neue um Futter und Schlafplätze kämpfen. Die Folgen sind häufige Verletzungen und ein durch Dauerstress geschwächtes Immunsystem, was wiederum den häufigen Einsatz von Antibiotika zur Folge hat.

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Man ignoriert sich weitestgehend: Henriette und im Hintergrund die doppelt so großen Bielefelder

Dadurch, dass wir Henriette und Frau Hoppe ein neues Zuhause gegeben haben, haben wir ihre Welt verändert. Sie werden künftig weniger Eier legen müssen, weil wir nicht durch künstliches Licht und Futterzusätze nachhelfen, weniger Stress haben und bis an das Ende ihrer Tage ein Leben leben können, dass ihren Bedürfnissen gerechter wird. Die Welt haben wir dadurch aber nicht verändert. In die alten Ställen von Henriette, Heike und Frau Hoppe sind längst neue Hühner eingezogen. Und in knapp einem Jahr sind auch diese 800 wieder unrentabel und werden entsorgt, um Platz zu machen für wieder neue Hühner. Es ist ein Teufelskreis, den wir nicht dadurch durchbrechen, dass wir einigen wenigen dieser armen Kreaturen ein Leben nach ihrer Ausstellung schenken. Ändern können wir nur dann etwas, wenn wir vollständig auf Eier aus dieser Massenproduktion verzichten.

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Henriette hat sich inzwischen gut eingelebt und das Hühnerhaus als ihr neues Zuhause angenommen

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