Wer zahlt eigentlich für billige Lebensmittel?

Famila

Neulich Morgen am Frühstückstisch: „… und schon wieder eine gute Nachricht von Handelskette XY“, klingt es aus dem Küchenradio. „XY senkt die Preise für Molkereiprodukte jetzt dauerhaft. Wenn das keine gute Nachricht ist!“, heißt es weiter. Aber ist diese Nachricht wirklich so gut, wie der freudig erregt klingende Sprecher des Werbespots verkündet? Klar, auf den ersten Blick klingt´s natürlich super: Milch, Jogurt, Käse, Quark… alles billiger, stellenweise bis zu 20 Cent. Die gesunkenen Rohstoffpreise würden dadurch direkt an den Verbraucher weitergegeben werden, heißt es zum Beispiel in einer Pressemitteilung von Aldi zu diesem Thema. Der Rohstoff ist die Milch. Und die kommt vom Milchbauern und seinen Kühen. Der verdient ohnehin schon das wenigste am Liter Milch. Und das, obwohl er eigentlich das hochwertigste Produkt liefert, nämlich echte, unverdünnte und Vitamin reiche Milch. Wenn die Preise für die Rohmilch sinken, muss er den Verlust irgendwie wieder gutmachen. Zum Beispiel, in dem er am Futter spart. Billigeres Futter ist aber oft auch minderwertiger und von zweifelhafter Herkunft und Zusammensetzung. Das beweisen die Futtermittelskandale der vergangenen Jahre, in denen es um Dioxin und Mineralöl im Tierfutter ging. Die niedrigen Milchpreise können aber auch über mehr Masse ausgeglichen werden. Das heißt, mehr Kühe oder mehr Milch pro Kuh. Die Haltungsbedingungen verschlechtern sich. Das kann aber das einzelne Tier anfälliger für Krankheiten machen und zum verstärkten Einsatz von Antibiotika führen. In der Mathematik ergibt Minus und Minus Plus. Aber ob schlechteres Futter und schlechtere Haltungsbedingungen bessere Milch ergeben, bezweifele ich. Diese Milch aus der dem Rohstoffpreis angepassten Haltung landet am Ende natürlich beim Verbraucher. In diesem Fall beim XY-Kunden, der eben noch per Radiospot die „gute Nachricht“ erfahren hat, dass er jetzt 10 Cent weniger für den Liter Milch zahlen muss. Der niedrigere Preis wird so zum Bumerang und trifft uns da, wo´s richtig weh tut: bei unserer Gesundheit und der Gesundheit unserer Familie. Und ganz nebenbei führt er zu einer Ausbeutung und Behandlung von Tieren, die höchst fragwürdig und moralisch verwerflich ist. Das gilt natürlich nicht nur für Kühe und ihre Milch. „10er Eier für 99 Cent und 3 Kilo Hähnchen-Schenkel für 4,49 Euro“ sind ähnlich „gute Nachrichten“. Die Frage bleibt nur, für wen?