Alles raus! Es ist Frühling! … oder sind wir zu früh?

Es ist Mitte März und die Temperaturen kratzen schon am zweistelligen Bereich. Es erfasst uns eine innere Unruhe. Es zieht uns raus, raus in unseren Garten. Nach dem Winter und der Stallpflicht für unsere Hühner gibt es wahnsinnig viel zu tun. Euphorisch machen wir uns ans Werk!

Als erstes werden die unangenehmen Nebenwirkungen der Stallpflicht beseitigt. Unsere Hennen konnten von Ende November bis Anfang März nicht wie gewohnt im ganzen Garten herumlaufen, sondern waren unter einem 6×3 m Partypavillon eingesperrt. Zu behaupten, der Rasen auf dieser Fläche hätte in dieser Zeit gelitten, wäre eine schamlose Untertreibung. Der Rasen wurde in der Zeit regelrecht vernichtet. Kein Halm war mehr da. Also, neu säen. Eine gute Gelegenheit, den Handvertikutierer von Gardena auszuprobieren, den ich im vergangenen Herbst beim Max Bahr-Ausverkauf günstiger gekauft habe. Das Auflockern des Bodens funktioniert damit ganz gut. Allerdings sollte man einen extra langen Stiel dazu kaufen. Der „normale“ Gardena-Werzeugstiel für Besen, Harke etc. ist zu kurz, um vernünftig zu arbeiten. Den Stiel gibt´s natürlich nicht umsonst und meiner Meinung nach entspricht das auch nicht der Gardena-System-Philosophie.IMG_1745IMG_1756

25 qm-Rasen sind schnell gesät und – ganz wichtig – umzäunt. Denn natürlich müssen wir die Grassaat und die hoffentlich irgend wann zahlreich sprießenden jungen Grashalme vor den gierigen Hühnern schützen. Die gucken allerdings ziemlich sparsam, als sich mitten in „ihrem“ Garten plötzlich eine Tabu-Zone befindet.IMG_1753

Ansonsten haben sich unsere Hühner gut wieder an die neue alte Freiheit gewöhnt. Selbst unsere beiden Neuzugänge, Henriette und Frau Hoppe, die zwei Hennen aus der Massentierhaltung, kamen nach anfänglichem Zögern mit der neuen Situation klar. Einen Garten mit Büschen und Sträuchern, Schatten und Sonne, Rasen, Laub, Erde und Wasserstellen hatten sie in ihrem Leben ganz sicher noch nicht gesehen. Aber es gefällt ihnen sichtlich. Aus den ziemlich mitgenommen Hennen, die wir Mitte Januar vor dem Tod bewahrt haben, sind zwei hübsche und sehr anhängliche Hennen geworden.

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Der Rasen ist gesät, die Hühner dösen unterm Bambus und Sally, unsere rumänische Mischlingshündin hat sich im trockenen Laub vom Vorjahr ein sonniges Plätzchen gesucht. Es ist schon so richtig schön warm und ich werde leichtsinnig. Ich hole die Kellerkinder raus: Lavendel und Chrysanthemen, die im Keller überwintert haben. Beim Lavendel funktioniert das ganz gut, so lange man nicht vergisst, ihm ab und zu etwas Wasser zu geben. Die Chrysanthemen sind ein Versuch. Eigentlich sind die riesigen blühenden Pflanzen, die man im Herbst überall zu kaufen bekommt, nur einjährig. Aber irgendwo hatte ich mal gelesen, dass man sie auch über den Winter bringen kann, wenn man sie nach dem ersten Frost runter schneidet und in den Keller stellt. Habe ich alles gemacht. Aber ich mache mir ehrlich gesagt wenig Hoffnung, dass aus diesem trockenen Häufchen Elend, das ich da aus dem Keller an die wärmende Frühlingssonne gebracht habe, noch mal irgend etwas wird.

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Der erste Tag im Garten geht zu Ende und die Sonne verschwindet schnell hinter den Dächern der Nachbarhäuser. Plötzlich wird es kalt. Frühlingsgefühle weichen Frösteln. Es ist eben doch erst Mitte März und Nachts sinken die Temperaturen noch mal unter den Gefrierpunkt. Und am nächsten Tag kratzt nichts mehr am zweistelligen Bereich sondern nur noch die Autofahrer ihre Scheiben frei. Hoffentlich waren wir nicht zu euphorisch.

Ende der Stallpflicht in Sicht – Hühner und Halter sind wohl auf

Am Mittwoch, dem 04. März endet in Hamburg die Stallpflicht für Nutzgeflügel. Seit Ende November mussten unsere damals noch vier Bielefelder Kennhühner in ihr Seuchenzelt, einen umfunktionierten Party-Pavillon. Wie es Ihnen nach dieser Zeit geht, wie sich unsere beiden Winterneuzugänge von „Rettet das Huhn“ entwickelt haben und was wir Neuhühnerhalter während unserer ersten Stallpflicht lernen konnten, darüber berichtet dieses kleine Video. Viel Spaß beim Ansehen!

stadtlandeier im Interview – Blog ueber-land.eu stellt innovative Landwirtschaftsprojekte vor

Manchmal sind wir selbst ein wenig überrascht, wie viel Interesse unser kleiner Hamburger Hühnerhof in der Welt hervorruft. Ein paar Hühner anzuschaffen, um frische und gute Eier zu haben, war für uns eigentlich gar keine „so große Sache“ und eigentlich hatten wir eher befürchtet, dass man uns als „kauzig“ abtut. Umso mehr freut es uns, so viel positives Feedback zu bekommen und immer mehr Menschen kennenzulernen, die genau so denken, wie wir.

Ganz besonders erfreut waren wir über die Interviewanfrage der österreichischen Bloggerin Barbara Kanzian. Auf ihrem Blog ueber-land.eu stellt sie innovative Landwirtschaftsprojekte vor und war auch an unser Hamburger Hühner-Geschichte interessiert. Warum halten wir Hühner in der Großstadt? Wie haben die Nachbarn darauf reagiert? Welche positiven und negativen Erfahrungen gibt es? was bedeutet und unser kleines Stück Land in der Stadt? Solche und ähnliche Fragen hatte Barbara, die ich ihr gern und stellenweise vielleicht auch etwas ausführlich beantwortet habe. Das komplette Interview gibt es >>>hier>>>

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Auf ueber-land.eu erfahrt Ihr aber nicht nur etwas über Hühnerhalter in Hamburg. Barbara Kanzian stellt viele innovative Landwirtschaftsprojekte aus der ganzen Welt vor – auf dem Land und in der Stadt. So geht es zum Beispiel um Gemüseanbau auf Flachdächern in Kopenhagen, den Urban Farmer Paolo in London oder Fischzucht über den Dächern von Basel. Dazu findet man auf dem Blog viele Anregungen zum Selber machen. Alle, die sich für Landwirtschaft abseits ausgetretener Pfade und jenseits der gesellschaftlichen Normen interessieren, werden auf ueber-land.eu ihre Freude haben. Viel Spaß bei durchstöbern!

Neuzugänge im Hühnerstall – Zwei Hochleistungshennen gehen in Rente

„Rettest Du ein Tier, änderst Du nicht die Welt.
Aber Du änderst die Welt für dieses Tier.“ 

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Frau Hoppe (vorn) und Henriette (hinten)

Seit knapp zwei Wochen haben wir zwei Neue im Stall: braune Hochleistungshennen aus einer Freilandhaltung mit 800 Hühnern. Die Legeleistung der Hennen war durch die einsetzende Mauser so schlecht geworden, dass die 800 Vögel, wie in solchen Fällen üblich, entsorgt werden sollten. Dank der Initiative „Rettet das Huhn“, die „ausgediente“ Legehennen an private Halter vermittelt, ging die letzte Reise für die meisten dieser Hühner aber nicht in den Tod sondern in ein neues Leben.

Bei den braunen Hochleistungshennen (Legeleistung: ca 300 Eier im Jahr) handelt es sich übrigens um die Hühner, die auf den Packungen „Eier aus Freilandhaltung“ immer so glücklich aussehen. Mit den Modelhühnern auf den Verpackungen hatten unsere beiden, Henriette und Heike, allerdings wenig gemeinsam. Man sah ihnen die Strapazen der Haltung, der Mauser und des Transportes deutlich an. Die Hühner waren sehr abgemagert und hatten weniger Federn als es auf den ersten Blick schien. Vor allem im Vergleich zu unseren wohlgenährten Bielefelder Kennhuhn-Hennen machten die Neuen einen geradezu erschreckenden Eindruck. Die Bäuche waren fast kahl und auch am Hals und am Kopf fehlten Federn. Bei Henriette war der Schnabel verstümmelt. Und beide Hühner waren sehr schwach. Heikes Zustande verschlechterte sich über Nacht so dramatisch, dass wir ihr nicht mehr helfen konnten. Sie starb vermutlich an den Folgen einer Legedarminfektion. Keine Seltenheit bei Hühnern, die genetisch bedingt so viele Eier legen müssen, weil der Körper hat kaum eine Chance hat, sich mal zu erholen.

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Heike mit kahlem Hals (links) und Henriette (rechts) am ersten Tag

Wir konnten die überlebende Henne Henriette aber nicht allein zu unseren alten Hühnern stecken. Den großen und gut genährten Bieles hätte sie allein nichts entgegensetzen können. Von Hühnerhaltern, die ebenfalls ein paar der 800 ausgestallten Hochleistungshennen einquartiert hatten, bekamen wir deshalb ein neues Huhn, Frau Hoppe. Zusammen haben sich Henriette und Frau Hoppe gut an ihr neues Zuhause gewöhnt. Wir päppeln die beiden mit vielen Vitaminen und Kalzium auf. Sie schlafen bereits mit den „alten“ Hühnern im Haus auf der Stange und können sich gut gegen die fast doppelt so großen Bielefelder Kennhühner behaupten. Natürlich gibt es auch mal Auseinandersetzungen, dann wird es laut im Hühnergehege und die Federn fliegen. Aber solche Auseinandersetzungen zwischen Hennen sind nichts Ungewöhnliches und Bestandteil ihres Soziallebens. Die Hennen streiten so ihre Hackordnung aus, die ihnen dann wiederum Sicherheit gibt. Das Problem: Hühner können sich nur etwa 30 andere Tiere in ihrer Herde merken, zu Ihnen soziale Verhältnisse aufbauen und sich in eine Hierarchie einordnen. In der Massentierhaltung mit mehreren hundert Tieren ist das nicht möglich. Die Tiere müssen jeden Tag auf´s Neue um Futter und Schlafplätze kämpfen. Die Folgen sind häufige Verletzungen und ein durch Dauerstress geschwächtes Immunsystem, was wiederum den häufigen Einsatz von Antibiotika zur Folge hat.

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Man ignoriert sich weitestgehend: Henriette und im Hintergrund die doppelt so großen Bielefelder

Dadurch, dass wir Henriette und Frau Hoppe ein neues Zuhause gegeben haben, haben wir ihre Welt verändert. Sie werden künftig weniger Eier legen müssen, weil wir nicht durch künstliches Licht und Futterzusätze nachhelfen, weniger Stress haben und bis an das Ende ihrer Tage ein Leben leben können, dass ihren Bedürfnissen gerechter wird. Die Welt haben wir dadurch aber nicht verändert. In die alten Ställen von Henriette, Heike und Frau Hoppe sind längst neue Hühner eingezogen. Und in knapp einem Jahr sind auch diese 800 wieder unrentabel und werden entsorgt, um Platz zu machen für wieder neue Hühner. Es ist ein Teufelskreis, den wir nicht dadurch durchbrechen, dass wir einigen wenigen dieser armen Kreaturen ein Leben nach ihrer Ausstellung schenken. Ändern können wir nur dann etwas, wenn wir vollständig auf Eier aus dieser Massenproduktion verzichten.

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Henriette hat sich inzwischen gut eingelebt und das Hühnerhaus als ihr neues Zuhause angenommen

Hamburger Abendblatt berichtet über unsere Hühner

Zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin hat sich die Hamburger Journalistin Melanie Wassink dem Thema „Private Hühnerhaltung in Hamburg als Alternative zur Massentierhaltung“ gewidmet und uns als ein Beispiel vorgestellt. Heute wurde der Artikel im Wirtschaftsteil des Abendblatts veröffentlicht. Aus unserer Sicht eine gelungene Reportage. Den kompletten Artikel gibt´s >>>hier<<<

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Das Hamburger Abendblatt ist unseren Hühnern übrigens gut bekannt. Denn mit der Ausgabe vom Vortag legen wir täglich das Kotbrett aus. Das erleichtert das Säubern.

Sagt das eine Huhn zum anderen: „Du, wir sind im Abendblatt“. Darauf das andere: „Drauf geschissen!“

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50 Tage Aufstallpflicht – Unsere Hühner kriegen Lagerkoller

Das Leben ist trostlos geworden für unsere vier Hennen. Seit 50 Tagen kein blauer Himmel, kein grünes Gras, kein Sandbad in der Wintersonne, kein Gruppenkuscheln unterm Busch und kein Scharren auf dem Hochbeet. Stattdessen besteht ihre Welt seit 50 Tagen aus jämmerlichen 18 Quadratmetern in milchig-graues Licht getaucht.IMG_1634

Seit Beginn der Auftstallpflicht in Hamburg leben Helga, Hertha, Heide und Hilde, unsere vier Bielefelder Kennhuhnhennen nämlich in einem Partypavillon, den wir treffender als das „Seuchenzelt“ bezeichnen. Nach behördlicher Entscheidung und Anordnung mussten unsere Hühner Ende November im wahrsten Sinne des Wortes „unter Dach und Fach“. Der neue Lebensraum muss überdacht und regensicher sein und von den Seiten dürfen weder Vogel noch Regenwasser eindringen können. IMG_1632

Die selben Auflagen gelten auch für die gewerblichen Halter. So ein Professioneller wird für seine Hühner allerdings keine Partypavillon-Zeltstadt aufbauen müssen und können. Der hat die entsprechenden Hallen für die Aufstallung schon stehen. Aber Fakt ist: aus dem im Supermarkt als politisch und moralisch korrekt angepriesenen Freilandhuhn-Ei wurde ein „Aufstallhuhn-Ei“. Trotzdem dürfen die Eier noch 12 Wochen (3 Monate!!!) als „Freilandeier“ verkauft werden. „Betrug“ ist vielleicht ein zu hartes Wort dafür. Aber durch die weitere Verwendung des Wortes „Freilauf“ wird definitiv eine falsche Tatsache vor- und somit auch der Verbraucher getäuscht.

Wir haben diese Probleme nicht, denn Helga, Hertha, Heide und Hilde weigern sich einfach, unter diesen Bedingungen Eier zu legen. Um den Eierlegetrieb beim Huhn auszulösen, braucht es Licht. Schönes helles Licht, am besten von der Sonne. Aber unsere vier Hennen leben nun schon 50 Tage in der milchig-grauen Welt eines geschlossenen Partypavillons. Da kommt keine Freude auf und kein Ei ins Nest. HOFFENTLICH IST DIE SCHEI… BALD VORBEI!

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Geflügelpest im Norden – Wir haben Angst um unsere Hühner

Die Meldungen aus Mecklenburg-Vorpommern sind besorgniserregend. Geflügelpest! Stallpflicht! 10-tausende Tiere bereits gekeult (getötet)! Noch ist Hamburg nicht betroffen. Aber wenn die Behörden auch hier Alarm schlagen, müssen wir uns für Helga, Hertha, Heide und Hilde was einfalles lassen. Wir haben keinen großen Stall, in dem wir unsere Bielefelder Kennhühner womöglich mehrere Wochen einsperren können. Die vier Hennen laufen frei im Garten rum. Und nur in der Nacht sind sie in ihrem abschließbaren Hühnerhaus.

Deshalb gibt es jetzt verschiedene Varianten, die wir diskutieren:

1. Wir kaufen einen Garten-Pavillon. Die kriegt man jetzt bestimmt günstig. Der schützt die Hühner immerhin nach oben, so dass ihnen keine vorbeifliegende Gans oder sonst wer auf den Kopf schei… kann.

2. Der Carport wird zum Hühnerstall umfunktioniert.

3. Die Hühner kommen in den Keller. Dort hatten wir sie auch in den ersten Monaten, als sie noch Küken und es draußen noch kalt war. Das wäre aber eigentlich nr eine Lösung für ganz wenige Tage.

Der schlimmste aller Fälle wäre aber, wenn die Geflügelpest irgendwo in unserer Nachbarschaft zuschlagen würde. Dann müssten wir damit rechnen, dass unsere vier Hennen sicherheitshalber und auf behördliche Anordnung getötet werden würden. In Mecklenburg-Vorpommern hat es vor einigen Wochen schon mehrere private Halter getroffen. Nachdem in einem Putenmastbetrieb in der Uecker-Randow-Region der gefährliche H5N8-Virus festgestellt wurde, wurden nicht nur alle Tiere des Betriebs (mehr als 30.000 Puten) getötet. Auch mehrere tausend Hühner, Gänse und Puten privater Halter, so wie wir es sind, mussten sterben. Soweit wird es hoffentlich bei uns nicht kommen.