Dudelsackbaukurs im Teutoburger Wald

Der Winter steht vor der Tür und im Garten ist nicht mehr viel los. Die Hühner sind in der Mauser, die Beete sind abgeerntet und selbst das Laub ist schon fast komplett runter von den Bäumen. Endlich Zeit, sich anderen Dingen zu widmen. Zum Beispiel dem Dudelsackspielen.

Schon im September hatte ich einen Dudelsackbaukurs in Hilter am Teutoburger Wald besucht. An diesem Wochenende wollte ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen: einen eigenen Dudelsack… nicht nur besitzen, sondern selber bauen. Bei Dudelsackbauer Christian Dreier sollte dieser Wunsch nun in Erfüllung gehen.

Christian hatte 10 Kursteilnehmer auf den Schäferhof Todtenhaupt in Hilter a.T.W. eingeladen. An zwei Tagen bauten wir unsere Säcke. Hümmelchen, große und kleine Marktsäcke, schwedische Säckpipa – es war alles dabei. Die Luftsäcke wurden geklebt und genäht, die Dichtungen der Pfeifen gewickelt, die Löcher und die Spielpfeife gebohrt und jede Menge andere Dudelsäcke ausprobiert. Es war ein fantastisches Wochenende. Nicht zu letzt wegen der Gastfreundschaft von Schäfer Martin und seiner Frau Christiane, die sich beide hervorragend um uns kümmerten und dafür sorgten, dass niemand verhungern oder verdursten musste.

Am Ende des Wochenendes hatte jeder 1 kg zugenommen und einen spielbereiten Dudelsack in den Händen.

Weitere Infos unter www.dreiers-dudelsackbau.de und www.schaeferhof-todtenhaupt.de

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Buchtipp: „Petronella Apfelmus“ weckt die Lust auf den eigenen Apfelbaum

Wir haben Urlaub und es regnet. Keine gute Kombination! Vor allem dann nicht, wenn man den Urlaub bei Regen in der schwedischen Wildnis verbringt … bei 9 Grad. Wir machen das Beste draus und Alena lädt täglich zur Lesestunde im Wohnmobil. Eingemummelt in dicke Decken und versorgt mit Keksen und einer Tasse Kakao tauchen wir ein in die Geschichte der Apfelhexe Petronella Apfelmus.

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Petronella Apfelmus lebt als Apfelhexe natürlich in einem Apfel. Der hängt in einem Baum im Garten hinter dem alten Müllerhaus. Das steht schon längere Zeit leer und das findet Petronella Apfelmus eigentlich ziemlich gut. Denn Menschen machen Ärger und den müssen sie und die anderen Bewohnerdes Gartens dann ausbaden. Zu ihren Freuden gehören der Hirschkäfer Lucius und die handwerklich geschickten Apfelmännchen Gurkenhut, Spargelzahn, Rübenbach, Karottenwams und Bohnhals.

Aber natürlich bleibt´s nicht bei dieser menschenleeren Idylle. In das alte Müllerhaus zieht Familie Kuchenbrand mit den Zwillingen Lea und Luis ein. Die beiden finden es  ziemlich blöd, die nächsten Jahre abseits der Stadt zwischen Apfelbäumen und im alten zugigen Müllerhaus zu verbringen. Und auch Petronella ist von der Anwesenheit der Menschen nicht begeistert und will die Kuchenbrands mit Tricks und Zauberei wieder aus dem Haus ekeln. Aber dann lernen sich die Apfelhexe und die Menschenkinder kennen.

Damit ist die Geschichte natürlich noch nicht zu Ende. Die drei erleben noch ein ganz großes Abenteuer, bei dem es um die Zukunft der Familie Kuchenbrand geht. Aber mehr wird nicht verraten. Nur so viel noch: Hühner spielen auch eine Rolle.

„Petronella Apfelmus – Verhext und festgeklebt“ ist ein wunderschönes Buch zum Vorlesen für jüngeren Kinder (unsere sind 5 und 7) oder zum Selbstlesen für etwas ältere. Auch uns Eltern hat es sehr viel Spaß gemacht, uns in den Garten hinterm Müllerhaus entführen zu lassen. Die Lesestunden bei Regen wurden zu echten Highlights im Urlaub.

Weil es offenbar noch mehr Menschen und auch der Autorin so ging, hat Sabine Ständing die Geschichte von Petronella, Luis, Lea, Lucius, den Kuchenbrands und den Apfelmännchen weitergesponnen. Im März 2015 ist der zweite Teil „Zauberschlaf und Knallfroschchaos“ erschienen und im November 2015 geht es weiter mit „Schneeballschlacht und Wichtelstreiche“. Genug Lesestoff für feuchte Herbstnachmittage und kalte Winterabende.

Wer zahlt eigentlich für billige Lebensmittel?

Famila

Neulich Morgen am Frühstückstisch: „… und schon wieder eine gute Nachricht von Handelskette XY“, klingt es aus dem Küchenradio. „XY senkt die Preise für Molkereiprodukte jetzt dauerhaft. Wenn das keine gute Nachricht ist!“, heißt es weiter. Aber ist diese Nachricht wirklich so gut, wie der freudig erregt klingende Sprecher des Werbespots verkündet? Klar, auf den ersten Blick klingt´s natürlich super: Milch, Jogurt, Käse, Quark… alles billiger, stellenweise bis zu 20 Cent. Die gesunkenen Rohstoffpreise würden dadurch direkt an den Verbraucher weitergegeben werden, heißt es zum Beispiel in einer Pressemitteilung von Aldi zu diesem Thema. Der Rohstoff ist die Milch. Und die kommt vom Milchbauern und seinen Kühen. Der verdient ohnehin schon das wenigste am Liter Milch. Und das, obwohl er eigentlich das hochwertigste Produkt liefert, nämlich echte, unverdünnte und Vitamin reiche Milch. Wenn die Preise für die Rohmilch sinken, muss er den Verlust irgendwie wieder gutmachen. Zum Beispiel, in dem er am Futter spart. Billigeres Futter ist aber oft auch minderwertiger und von zweifelhafter Herkunft und Zusammensetzung. Das beweisen die Futtermittelskandale der vergangenen Jahre, in denen es um Dioxin und Mineralöl im Tierfutter ging. Die niedrigen Milchpreise können aber auch über mehr Masse ausgeglichen werden. Das heißt, mehr Kühe oder mehr Milch pro Kuh. Die Haltungsbedingungen verschlechtern sich. Das kann aber das einzelne Tier anfälliger für Krankheiten machen und zum verstärkten Einsatz von Antibiotika führen. In der Mathematik ergibt Minus und Minus Plus. Aber ob schlechteres Futter und schlechtere Haltungsbedingungen bessere Milch ergeben, bezweifele ich. Diese Milch aus der dem Rohstoffpreis angepassten Haltung landet am Ende natürlich beim Verbraucher. In diesem Fall beim XY-Kunden, der eben noch per Radiospot die „gute Nachricht“ erfahren hat, dass er jetzt 10 Cent weniger für den Liter Milch zahlen muss. Der niedrigere Preis wird so zum Bumerang und trifft uns da, wo´s richtig weh tut: bei unserer Gesundheit und der Gesundheit unserer Familie. Und ganz nebenbei führt er zu einer Ausbeutung und Behandlung von Tieren, die höchst fragwürdig und moralisch verwerflich ist. Das gilt natürlich nicht nur für Kühe und ihre Milch. „10er Eier für 99 Cent und 3 Kilo Hähnchen-Schenkel für 4,49 Euro“ sind ähnlich „gute Nachrichten“. Die Frage bleibt nur, für wen?

Unsere Hühner im TV – Das Hamburg Journal berichtet über Helga, Heide, Hilde & Co

Das Fernsehen war zu Gast im Stadtlandeier-Garten. Für die Sendung „Hamburg Journal“ im NDR-Fernsehen wurde ein Osterbeitrag gedreht, in dem es um unsere Hennen, ihre Eier und unser Landleben in der Großstadt geht.

Es ist bereits das zweite Mal, dass das Fernsehen unseren Hühnern einen Besuch abstattet. Auch das ZDF war schon da und hat für „Drehscheibe Deutschland“ und „heute in Deutschland“ gedreht. Das Thema „Hühner in der Großstadt“ scheint medial voll einzuschlagen.

Uns soll´s Recht sein. Vielleicht werden durch die Fernsehbeiträge noch mehr Menschen ermutigt, auch in der Stadt Hühner zu halten und sich selbst dadurch eine Alternative zur Massentierhaltung zu schaffen.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Landleben-in-der-Grossstadt,hamj39948.html

stadtlandeier im Interview – Blog ueber-land.eu stellt innovative Landwirtschaftsprojekte vor

Manchmal sind wir selbst ein wenig überrascht, wie viel Interesse unser kleiner Hamburger Hühnerhof in der Welt hervorruft. Ein paar Hühner anzuschaffen, um frische und gute Eier zu haben, war für uns eigentlich gar keine „so große Sache“ und eigentlich hatten wir eher befürchtet, dass man uns als „kauzig“ abtut. Umso mehr freut es uns, so viel positives Feedback zu bekommen und immer mehr Menschen kennenzulernen, die genau so denken, wie wir.

Ganz besonders erfreut waren wir über die Interviewanfrage der österreichischen Bloggerin Barbara Kanzian. Auf ihrem Blog ueber-land.eu stellt sie innovative Landwirtschaftsprojekte vor und war auch an unser Hamburger Hühner-Geschichte interessiert. Warum halten wir Hühner in der Großstadt? Wie haben die Nachbarn darauf reagiert? Welche positiven und negativen Erfahrungen gibt es? was bedeutet und unser kleines Stück Land in der Stadt? Solche und ähnliche Fragen hatte Barbara, die ich ihr gern und stellenweise vielleicht auch etwas ausführlich beantwortet habe. Das komplette Interview gibt es >>>hier>>>

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Auf ueber-land.eu erfahrt Ihr aber nicht nur etwas über Hühnerhalter in Hamburg. Barbara Kanzian stellt viele innovative Landwirtschaftsprojekte aus der ganzen Welt vor – auf dem Land und in der Stadt. So geht es zum Beispiel um Gemüseanbau auf Flachdächern in Kopenhagen, den Urban Farmer Paolo in London oder Fischzucht über den Dächern von Basel. Dazu findet man auf dem Blog viele Anregungen zum Selber machen. Alle, die sich für Landwirtschaft abseits ausgetretener Pfade und jenseits der gesellschaftlichen Normen interessieren, werden auf ueber-land.eu ihre Freude haben. Viel Spaß bei durchstöbern!

Lehmbaukurs oder Endlich wieder im Matsch spielen

„Renata, Lehmbauerin seit 87.“, mit diesen Worten und einem sehr festen Händedruck stellte sich unsere Kursleiterin „Lehmbau“ im Freilichtmuseum Am Kiekeberg vor. Offen ließen sie dabei, ob sich die „87“ auf die Jahre 1887, 1987 oder ihr damaliges Alter bezog. Alles war angesichts der quirligen aber offensichtlich nicht mehr ganz jungen Frau möglich. Zusätzlich verwirrt wurde ich noch durch ihre Bemerkung, sie habe schon Lehmhäuser in Haithabu gebaut. Dabei handelt es sich um eine 1000 Jahre alte Wikingersiedlung an der Schlei.

Wie auch immer man es drehte und interpretierte, diese Renata, Lehmbauerin seit 87, schien wirklich was von ihrem Fach zu verstehen. Eine als „kurze Einleitung“ angekündigte Rede entpuppte sich als nicht enden wollendes Loblied auf die Vorteile des Lehms als Werkstoff im Allgemeinen und die Vorzüge des Lehmbaus im Besonderen. Renata tat das jedoch so begeistert und begeisternd, dass ich danach sofort bereit war, mir eine eigene Lehmhütte zu bauen und diese zu bewohnen. In Ermangelung der dafür benötigten Mengen Lehm, Stroh und Sand, wurde es dann doch nur ein Lehmofen. Aber dieser war uns „wunderschön“ gelungen, schwärmte zumindest Renata. Und die muss es wissen, so als „Lehmbauerin seit 87“.

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Farbe und Konsistenz erinnern an frischen Hundekot. Wenn man seine anfänglichen Hemmungen aber erst einmal überwunden hat, läuft´s wie geschmiert.

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Alles da, für den Lehmbau: Lehm, Sand, Wasser (von oben und im Eimer), Form für die Steine und Stroh (nicht im Bild, als nicht suchen)

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Alles wird mit den Füßen in der Mörtelbütt zusammengerührt. In anderen Ländern machen sie das mit nackten Füßen und nehmen an statt Stroh Kuhdung. Warum nicht, wenn´s gut gemacht ist.

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Wenn alles so richtig schön zusammen bappt, kann´s los gehen. Die Formen werden gefüllt, der Stein trocknet und kann dann verbaut werden. Weil wir aber nur einen verregneten Nachmittag Zeit hatten, haben wir für den Ofen schon vorhandene Steine benutzt.

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Mit den Steinen wird die Form für den Ofen gelegt. „Birnenförmig“ soll sie sein, sagt Renata, Lehmbauerin seit 87, damit das Feuer später besser brennt und sich ein bestimmter Sog entwickeln kann, durch den der Rauch durch die Ofenöffnung entweicht. Der Ofen hat nämlich keinen Schornstein.

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Wenn die Grundform feststeht, wird nach oben gemauert. Die dreieckigen Zwischenräume müssen mit dem angemachten Strom-Lehm-Gemisch ausgefüllt werden. Da es sich um das gleiche Material handelt, dass auch für den Stein genutzt wurde,  verbinden sich Stein und Stoßstelle problemlos und ergeben eine homogene Masse.

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Beim Hochmauern muss der Durchmesser des Ofeninnenraums mit jeder Schicht kleiner werden, damit der Ofen oben geschlossen werden kann. Wichtig ist auch, während des Hochmauernd, den Innenraum sauber zu verputzen. Dafür wird ein Lehmputz angesetzt, der kein Stroh und nur wenig Sand enthält.

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Letzte Innenarbeiten bevor oben der Schlussstein aufgesetzt wird. Wenn der Ofen fertig ist, muss er vor Regenwasser durch eine Plane oder ein Dach geschützt werden, denn sonst löst sich der Lehm wieder auf.

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Und fertig ist der Lehmofen. Der Ofen wird mit Reisig mehrere Stunden befeuert. Dabei zieht der Rauch bedingt durch die Konstruktion (wenn man alles richtig gemacht hat) zur vorderen Öffnung heraus. Nach ein paar Stunden ist der Ofen heiß genug, die Asche wird ausgefegt, das Brot reingelegt und die Öffnung mit einem dicken Eichenbrett sowie Lehm verschlossen. Ist das Brot fertig, hat der Ofen noch genug Wärme, um Dörrobst darin zu trocknen. Und wenn man mal nicht gerade ein Brot backt, kann ein Ofen dieser Größe auch locker als Hundehütte für Dackel, Möpse und Chiwawas herhalten. Dann aber bitte vor dem nächsten Anfeuern reingucken, ob wer drin ist. Sonst gibt´s … NA? … Hot Dog!  Ein Brüller! Der musste jetzt aber auch sein!