Der Tod lauerte im Baum – Ein Habicht tötet unsere Hilma

Der Jäger ist geduldig. Gut getarnt sitzt der Habicht in den Ästen der Buche und lauert auf seine Chance…

Fotogtaf: Norbert Kenntner, Berlin

Fotogtaf: Norbert Kenntner, Berlin

Unter ihm im stadtlandeier-Garten laufen die Hühner sorgenfrei umher. So wie immer. Sie ahnen die Gefahr nicht einmal, in der sie sich befinden. Gemeinsam picken sie die Reste unseres Mittagessens aus dem Futtertrog. Dann verzieht sich die Herde gackernd in die Sonne oder zum Sandbad. Nur ein Huhn bleibt zurück, Hilma.

Hilma war noch nicht lange bei uns. Erst ein paar Wochen zuvor hatten wir sie von einer Bekannten bekommen. Hilma war dort die Lieblingshenne des Hahns und sah entsprechend mitgenommen aus. Davor lebte sie zusammen mit 800 anderen Hennen in einem Massentierhaltungsbetrieb. Ihre Federn waren schon wieder fast vollständig nachgewachsen und auch sonst ging es ihr gut. Nur den Anschluss an die Herde hatte Hilma noch nicht richtig gefunden.

IMG_2481Das ist die Chance, auf die der Habicht gewartet hat. Im Sturzflug nährt er sich dem Huhn. Dabei nutzt er vielleicht den Liegestuhl und den Kirschlorbeer geschickt als Deckung. Die Distanz zwischen seinem Ansitz und der Beute legt er in nur wenigen Sekunden zurück. Wahrscheinlich hört die Henne ihn nicht einmal kommen. Noch ehe sie den Kopf heben kann, schlägt der Habicht seine Fänge in ihren Körper. Hilma ist nicht gleich tot. Sie wehrt sich. Doch sie hat keine Chance. Die Krallen des Angreifers bohren sich tiefer und tiefer in sie hinein. So lange, bis sie sich nicht mehr bewegt. Mit seinem scharfen Schnabel rupft der Habicht die Henne. Haut reißt auf, Rippen brechen. Der erfolgreiche Jäger frisst.

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Der Anblick ihrer Überreste ist für uns und vor allem für die Kinder ein Schock. Dass der Habicht eines unserer Hühner schlagen könnte, mitten in der Stadt, daran hatten wir bis dahin gar nicht gedacht. „Scheiß Habicht!“ Auf einmal verstehe ich die verärgerten Schäfer, deren Schafe von einem Wolf gerissen wurden. Aber auch ein Habicht muss fressen und die Gelegenheit war eben günstig. Trotzdem, „Scheiß Habicht!“. Wir hatten nur sieben Hühner. Jetzt sind es nur noch sechs.

Die Trauer um den Verlust von Hilma ist groß. Aber größer noch ist die Sorge um unsere anderen sechs Hühner. Denn der Habicht wird wiederkommen. Bisher rannten unsere Hennen frei im ganzen Garten herum und gingen nur zum Schlafen in ihr Haus. Ein schnell zusammengezimmertes Provisorium soll sie in den kommenden Tagen oder Wochen vor dem Habicht schützen. Solange, bis ich eine Voliere im Garten gebaut habe, die den Hühnern als neue sichere Zuflucht dienen soll. Es fällt mir schwer. Ein Käfig wäre für die Hühner das Ende der idyllischen Freiheit in unserem Garten. Ein hoher Preis, den die Hühner für ihre Sicherheit zahlen müssten. Aber das Risiko, das nächste Opfer des Habichts zu sein, wäre auch ein hoher Preis für ihre Freiheit. Vielleicht finden wir einen Mittelweg.

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5 Gedanken zu “Der Tod lauerte im Baum – Ein Habicht tötet unsere Hilma

  1. Oh, nein! Ich leide mit. Wir haben glücklicherweise einen sehr wachsamen Hahn, und nach dem ersten raubvogelangriff an strategisch kluger stelle so eine spiegelnde Kugel aufgestellt, wie eine große Rosenkugel, seitdem: nichts mehr. Obwohl die potentiellen Angreifer immerzu und überall da sind. Ich kann das also empfehlen. Manche spannen auch so flatterbänder quer über den Auslauf, dazu wäre unser Gelände aber zu groß.

  2. Au weia – Hilma hat ja einiges durchmachen müssen in ihrem Hühnerleben!
    Wie kommt ihr denn darauf, dass es ein Habicht war? Ich plane auch, irgendwann Hühner zu haben, sie auch frei laufen zu lassen, und als einzige Gefahr habe ich bisher immer nur über Füchse nachgedacht!! Habt ihr Habichtfedern gefunden?
    Viel Erfolg jeden Fall mit den anderen sechs Hühnern!!
    Liebe Grüße, Hannah

    • Die Art und Weise, wie das Huhn getötet und zerrupft wurde, lässt am ehesten auf einen Habicht schließen. Vielleicht war es auch ein Bussard. Aber es war definitiv eine Raubvogel.

  3. Oh nein! 😦 Und sie hätte es so gut bei euch gehabt.. Ja, Scheiß Habicht! Ich mag Greifvögel ja eigentlich, aber vor diesem Fall habe auch ich Angst. Im Sommer zischte ein Bussard im Tiefflug durch unseren Garten und schrie dabei. Die Hennen (übrigens mittlerweile vier 🙂 ) waren zu dem Zeitpunkt frei im Garten unterwegs! Ich säuberte gerade das Gehege und drehte mich um, als ob ich etwas geahnt hätte, und da sah ich ihn. Ich vermute, wenn ich diese Eingebung nicht gehabt hätte, hätte er zugeschlagen. Er zog nur von dannen, weil ich mich in genau dem Moment bewegt hatte, davon bin ich überzeugt.
    Viele Grüße von „drüben“! 🙂
    Inga

  4. Pingback: Mehr Auslauf – Unsere Hühner bekommen ein größeres Gehege | stadtlandeier

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