Lehmbaukurs oder Endlich wieder im Matsch spielen

„Renata, Lehmbauerin seit 87.“, mit diesen Worten und einem sehr festen Händedruck stellte sich unsere Kursleiterin „Lehmbau“ im Freilichtmuseum Am Kiekeberg vor. Offen ließen sie dabei, ob sich die „87“ auf die Jahre 1887, 1987 oder ihr damaliges Alter bezog. Alles war angesichts der quirligen aber offensichtlich nicht mehr ganz jungen Frau möglich. Zusätzlich verwirrt wurde ich noch durch ihre Bemerkung, sie habe schon Lehmhäuser in Haithabu gebaut. Dabei handelt es sich um eine 1000 Jahre alte Wikingersiedlung an der Schlei.

Wie auch immer man es drehte und interpretierte, diese Renata, Lehmbauerin seit 87, schien wirklich was von ihrem Fach zu verstehen. Eine als „kurze Einleitung“ angekündigte Rede entpuppte sich als nicht enden wollendes Loblied auf die Vorteile des Lehms als Werkstoff im Allgemeinen und die Vorzüge des Lehmbaus im Besonderen. Renata tat das jedoch so begeistert und begeisternd, dass ich danach sofort bereit war, mir eine eigene Lehmhütte zu bauen und diese zu bewohnen. In Ermangelung der dafür benötigten Mengen Lehm, Stroh und Sand, wurde es dann doch nur ein Lehmofen. Aber dieser war uns „wunderschön“ gelungen, schwärmte zumindest Renata. Und die muss es wissen, so als „Lehmbauerin seit 87“.

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Farbe und Konsistenz erinnern an frischen Hundekot. Wenn man seine anfänglichen Hemmungen aber erst einmal überwunden hat, läuft´s wie geschmiert.

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Alles da, für den Lehmbau: Lehm, Sand, Wasser (von oben und im Eimer), Form für die Steine und Stroh (nicht im Bild, als nicht suchen)

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Alles wird mit den Füßen in der Mörtelbütt zusammengerührt. In anderen Ländern machen sie das mit nackten Füßen und nehmen an statt Stroh Kuhdung. Warum nicht, wenn´s gut gemacht ist.

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Wenn alles so richtig schön zusammen bappt, kann´s los gehen. Die Formen werden gefüllt, der Stein trocknet und kann dann verbaut werden. Weil wir aber nur einen verregneten Nachmittag Zeit hatten, haben wir für den Ofen schon vorhandene Steine benutzt.

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Mit den Steinen wird die Form für den Ofen gelegt. „Birnenförmig“ soll sie sein, sagt Renata, Lehmbauerin seit 87, damit das Feuer später besser brennt und sich ein bestimmter Sog entwickeln kann, durch den der Rauch durch die Ofenöffnung entweicht. Der Ofen hat nämlich keinen Schornstein.

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Wenn die Grundform feststeht, wird nach oben gemauert. Die dreieckigen Zwischenräume müssen mit dem angemachten Strom-Lehm-Gemisch ausgefüllt werden. Da es sich um das gleiche Material handelt, dass auch für den Stein genutzt wurde,  verbinden sich Stein und Stoßstelle problemlos und ergeben eine homogene Masse.

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Beim Hochmauern muss der Durchmesser des Ofeninnenraums mit jeder Schicht kleiner werden, damit der Ofen oben geschlossen werden kann. Wichtig ist auch, während des Hochmauernd, den Innenraum sauber zu verputzen. Dafür wird ein Lehmputz angesetzt, der kein Stroh und nur wenig Sand enthält.

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Letzte Innenarbeiten bevor oben der Schlussstein aufgesetzt wird. Wenn der Ofen fertig ist, muss er vor Regenwasser durch eine Plane oder ein Dach geschützt werden, denn sonst löst sich der Lehm wieder auf.

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Und fertig ist der Lehmofen. Der Ofen wird mit Reisig mehrere Stunden befeuert. Dabei zieht der Rauch bedingt durch die Konstruktion (wenn man alles richtig gemacht hat) zur vorderen Öffnung heraus. Nach ein paar Stunden ist der Ofen heiß genug, die Asche wird ausgefegt, das Brot reingelegt und die Öffnung mit einem dicken Eichenbrett sowie Lehm verschlossen. Ist das Brot fertig, hat der Ofen noch genug Wärme, um Dörrobst darin zu trocknen. Und wenn man mal nicht gerade ein Brot backt, kann ein Ofen dieser Größe auch locker als Hundehütte für Dackel, Möpse und Chiwawas herhalten. Dann aber bitte vor dem nächsten Anfeuern reingucken, ob wer drin ist. Sonst gibt´s … NA? … Hot Dog!  Ein Brüller! Der musste jetzt aber auch sein!

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